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Fragen an einen Spackeria-Text von Julia Schramm

23. August 2011

(Update: Überschrift entschärft, war ursprünglich „Schramm geschreddert (1)“)

Eigentlich sollte ich ihr keine Zeile widmen, weil sie dafür zu unwichtig ist. Aber abseits meiner höchstpersönlichen Abneigung gegen sie, weil sie sich so unglaublich toll findet, trotzdem der kurze Versuch, konkret anhand ihres letzten Textes aufzuzeigen, warum ich sie und den ganzen Spackeria-Mob so affektiert, pseudo-intellektuell, affig und sich selbst überschätzend finde. Vielleicht für die Leute, die meine Abneigung nicht nachvollziehen können (die auch einen Gutteil auf meinem pedantischen Verhältnis zu sprachlichem Stilempfinden und sauberer Argumentation beruht, aber das kann man als Jurist nicht so ganz leicht ablegen; womit noch nicht gesagt ist, dass jeder Jurist Geschmack hat (oder ich immer (oder jemals)), aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr). Für die vollständige Übernahme des Textes entschuldige ich mich natürlich nicht, wie sollte ich ihn sonst auch Satz für Satz kommentieren (dafür hat die Geisteswissenschaftlerin in Julia Schramm sicherlich auch so Verständnis).

„Datenschutz und Privatsphäre“

Vorweg: Im folgenden Text werde ich kein Fremdwort benutzen und Sätze auf maximal wenig Zeilen beschränken. Angesichts der Kritik an meinem “Soziologengeschwurbel” habe ich mir für diesen Blogpost vorgenommen klar und deutlich zu schreiben.

Fremdwörter sind nicht das Problem. Geschwurbel trifft es schon eher. Wer nicht in der Lage ist, sich verständlich auszudrücken, dessen Problem ist eher, dass er (oder sie) etwas selbst nicht verstanden hat, so dass er (oder sie) es nötig hat, sich hinter Fachsprache zu verstecken. Die Entschuldigung, man sei halt ein Studierter, ist selbst auch wieder ein Verstecken hinter eben dieser Tatsache, die einfach zu peinlich ist, um sie zuzugeben. Das kränkt eben das wissenschaftliche Ego. Aber wir waren ja alle mal klein und dumm (was mich allerdings nicht von meiner Kritik abhalten wird).

Auch wenn es nicht schön ist. Angelehnt ist der Blogpost an die Reaktion von Jörg Tauss auf meinen Kommentar in seinem Blog. Ich las heute den Kommentar von Johannes Döh und wollte mich an dieser Stelle bedanken und entschuldigen für die fehlende Reaktion auf eine vorrangegangene Kontaktaufnahme. Aber manchmal habe ich sowas von keine Zeit, Energie, Muse oder Lust ….. Sorry! Gilt stellvertretend für all die, die das gleiche Schicksal trifft und in Zukunft treffen wird

Zunächst möchte ich betrachten, was überhaupt “Privacy” (also Privatsphäre und Datenschutz) ist.

Immer gut, wenn man nachdenkt, bevor man etwas zu Papier bringt. Aber im Endprodukt muss man das eigentlich nicht mehr unbedingt erwähnen, außer man ist ein bisschen unsicher darüber, was meistens daran liegt, dass man irgendwas selbst nicht verstanden hat. Ein guter Text braucht keine Einweisung, er erklärt sich von selbst.

Meine aktuelle These ist, dass Privatsphäre der Ort der Entfremdung von sich selbst ist, also sich als das Andere betrachten.

Dieser Satz ist so dermaßen bescheuert, dass ich mich ernsthaft frage, wie einem das nicht selbst klar sein kann. Ich bin also nur in meiner Mitte, wenn ich in der Öffentlichkeit bin, aber nie, wenn ich nur für mich allein bin? Wer von solchen Thesen ausgeht, der kann natürlich nichts Vernünftiges zusammenbekommen.

Ziel ist es quasi zur Vernunft zu finden. Platt ausgedrückt: In der Privatsphäre bildet sich durch Reflektion mein vernünftiges Ich. Dieses Ich ist integraler Bestandteil der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft und Vorraussetzung für Freiheit als höchstes sittliches Ziel.

Ich entfremde mich also im Privaten von mir selbst und das führt mich zur Vernunft? Weil ich im öffentlichen Rahmen nur Dummheiten mache oder was? Und das private Ich ist integraler Bestandteil der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft? Im Gegensatz zu meinem öffentlichen Ich? Was will uns die Verfasserin damit sagen? Soziologengeschwurbel? Nein, das wäre eine Beleidigung für jeden ernsthaften Geisteswissenschaftler. Das ist vielmehr der blanke Unsinn und die pseudointellektuelle Fassade, hinter der sich Julia Schramm gerne verstecken möchte.

Und Freiheit ist „das höchste sittliche Ziel“? Man erwartet angesichts solcher Sätze ja fast schon eine Berufung auf Gott oder sowas. Was sind denn sittliche Ziele? Und was sind unsittliche Ziele?

Doch scheint eben dieser Raum in Gefahr zu sein und somit konsequenter Weise unsere bürgerlich-demokratische Gesellschaft.

Verstehe ich nicht. Welche Gefahr? Die Verfasserin sollte schon klar machen, was sie eigentlich sagen will.

Nun stellt sich die Frage: Was bedroht diesen Raum? Meiner Meinung nach kommt die Bedrohung von Monopolisten, die Ressourcen und Wissen horten. Datenschutz ist nun quasi der Versuch die Menschen vor den Monopolisten zu schützen. Finde ich ehrenwert, aber nicht zielführend. Monopolisten abschaffen bzw. durch Transparenz zur gesellschaftlichen Verantwortung zwingen.

Was für Monopolisten? Welche Ressourcen hüten die genau? In welchem Verhältnis soll jetzt der Datenschutz zu den Monopolisten stehen, die ich nicht kenne, weil die Verfasserin sich dazu nicht äußert? Und es ist ein geringerer Eingriff, die Monopolisten (wer immer das sein mag) abzuschaffen, als sie auf Datenschutz zu verpflichten? Das möchte ich bezweifeln!1!!

Herr Weichert, könnten sie vielleicht eine Leaking-Plattform unterstützen? Wir haben da gerade Bedarf.

Gedankensprünge, die an der geistigen Verfassung der Verfasserin zweifeln lassen. Habe ich nur einfach nur zu wenig Fantasie, um diese wirren Gedankengänge zu verstehen?

Was wir außerdem brauchen in einer Zeit, in der wir auf eine Welt ohne Geheimnisse zurasen: Eine bedingungslose soziale Sicherung. Denn wenn mich keiner sozial erpressen kann, dann kann es mir auch egal sein, was die Menschen über mich wissen. Zentrale Aufgabe der Gesellschaft muss sein: Die Menschen schützen, OHNE like-Buttons zu verbieten. Den Menschen die Sphäre zur freien Entwicklung geben. Ich denke da konkret an: Steuerfinanzierte Krankenkasse, BGE und staatlich garantierte Infrastruktur (also Wasser, Netz, etc.), sowie kostenlose Bildung.

Das ist ja herzallerliebst von der Verfasserin, dass sie sich für ein BGE verwendet, das hat nur überhaupt nichts mit dem Thema zu tun. Dass ein BGE auch vor den Folgen von Diskriminierung schützt, ist ein Nebeneffekt. Auch unter einem BGE muss und will ich keine Diskriminierung hinnehmen, wo kommen wir denn da hin? Und inwiefern das „zentrale Aufgabe der Gesellschaft sein muss“ (ist die Verfasserin Mitglied des Zentralkomitees des hohen Rates der Regierung oder sowas?) erschließt sich mir nicht. Vielleicht will sie das nur gerne.

Nun zu den Fragen, die Jörg Tauss mir stellte: Wo sind für Dich die Grenzen der Aufgabe von Privacy? Wo sind für Dich die Grenzen bei der Verletzung informationeller Selbstbestimmung oder soll es gar keine Grenze mehr geben?

 …

Zunächst ist, nach meiner Definition oben, eine Aufgabe der Privacy-Grenzen nur möglich, wenn man sein Ich aufgibt. Freiwillig kann man das natürlich tun. Ich glaube jedoch, dass sich unsere Vorstellung des modernen Subjekts so tief eingegraben hat, dass keiner diese Grenzen ganz aufgeben können wird.

Es wäre Aufgabe einer Soziologin gewesen, einen strukturellen Zusammenhang etwa zwischen unseren Wohnverhältnissen und unserem daraus folgenden Verhältnis zur Privatheit aufzuzeigen. Solange meine Wohnung nämlich noch keine durchsichtigen Wände hat, ist Privatheit der Normalzustand, Öffentlichkeit die Ausnahme (und nicht zufällig „in unsere Vorstellung vom modernen Subjekt so tief eingegraben“).

Also, was ich freiwillig ab- und aufgebe ist ja absolut mir überlassen. Deine Frage zielt nun auf den gesellschaftlichen Rahmen, tippe ich. Nun gut:

1. Niemand darf gezwungen werden Informationen über sich verheimlichen zu müssen.

Platitüde in einer prinzipiell freien, von ihrer Konstruktion (nicht ihrer sozialen Wirklichkeit, das ist ein Unterschied) her diskriminierungsfreien Gesellschaft.

2. Öffentlich relevante Daten dürfen nicht durch falsche Vorstellungen von Privatsphäre (inklusive Betriebsgeheimnis) zurückgehalten werden (RAF-Akten, Kohl-Spenden, Abgeordnetenwatch, Facebook (also ich will z.B. dass FB seine Algorithmen öffentlich macht)

Warum sollte Facebook seine Algorithmen offenlegen müssen? Sind wir hier im Sozialismus oder was?

3. Jeder soll selbst entscheiden können, welche Daten er preisgibt. Das gilt in erster Linie für eindeutig personenbezogene Daten, also: Krankendaten, Geburtsdaten, Wohndaten, Sexualität, Religion.

Nein, was ich nicht von mir preisgebe, unterliegt keinem irgendwie von Frau Schramm beschränkten Diktat. Wenn ich etwas zu meiner Privatsphäre zähle, dann gehört es auch dazu. Auch das ist Ausdruck von echter Freiheit. Deshalb gilt der Satz nicht nur „in erster Linie“ für die genannten „eindeutig personenbezogenen“ Daten.

Abgesehen davon: Die Würde steht unter Schutz, Grenzen setzt das Grundgesetz.

Die Würde? Meint sie die Würde des Menschen, die Art. 1 für unantastbar erklärt? Das ist kein bloßes Verfassungsgeschwurbel, hier darf man ruhig genau sein. „Grenzen setzt das Grundgesetz“: ich verstehe die Verfasserin hier so, dass sie keine Ahnung hat wovon sie redet, sonst müsste sie nicht im Ungefähren bleiben (welche Grenzen?).

Aber es sollte klar sein, dass die Fragen natürlich leichter gestellt sind, als beantwortet und jeweils mit Einschränkungen verbunden sind (Was ist öffentlich relevant? Was überhaupt freiwillig?) Zum Beispiel neige ich sehr dazu die traditionellen Vorstellungen von Privatem heranzuziehen. Also das klassische “Religion und Sexualität” – und natürlich stehe ich da mit dem Grundgesetz auf einem Boden und akzeptiere diese rechtlichen Schranken.

Es heißt „auf dem Boden des Grundgesetzes stehen“, das Grundgesetz ist ja keine Person, neben der ich als Mensch stehen könnte. Aber schön, dass die Verfasserin die „Schranken“ des Grundgesetzes akzeptiert und also keine verfassungsfeindlichen Bestrebungen zu verfolgen scheint (sagt sie jedenfalls).

Dennoch will ich, dass eben das dogmatische mal abgezogen wird und gefragt wird: Warum? Warum sind Religion und Sexualität per se privat? Welche Folgen hat das für die Gesellschaft? Gibt es negative? Sexualität ist, nach Sennett, vor allem auch ein sozialer Akt.

Etwas Dümmeres habe ich noch nie gehört, vollkommen egal wer „Sennett“ ist. Sexualität ist so sozial oder nicht-sozial wie alles andere, das ich zusammen mit anderen oder auch allein machen kann (Sexualität setzt übrigens nicht notwendigerweise Interaktion mit anderen voraus).

Das gleiche gilt für religiöse Ansichten, die meine sozialen Handlungen festlegen. Mit der Privatisierung dieser Bereiche gehen meiner Meinung nach Probleme einher, die auch zur Debatte stehen müssen. Was bedeutet es für das Gemeinwesen, wenn Teile desozialisiert werden, ja a-sozialisiert? [Wir können das bzgl. Religion an den USA beobachten, wo jede noch so irre Sekte ihre Berechtigung hat. Staaten mit Staatskirche dagegen habe eine höhere Agnostikerquote. Und die verzerrte Sexualität in unserer Gesellschaft will ich gar nicht erst besprechen.]

Die Verfasserin darf sich gerne weiter mit dieser Frage befassen, einstweilen hat sie keine weitere Bedeutung für ihren Text.

Die Probleme, die wir zur Zeit zu bewältigen haben sind ein Effekt “neoliberaler” Haltung, die meiner Meinung nach einen Kern in der Fetischisierung des Privaten hat.

Das ist jetzt großes Kino: wer seine Privatsphäre verteidigt, ist neoliberal! Ihr Kapitalistenschweine, ausbeuterische!

Freiheit ist jedoch nur innerhalb der Gesellschaft möglich und hat immer eine soziale Komponente. Wie können also Bereiche, die wesentlich zur freien Entfaltung und Freiheit gehören, einfach von dieser sozialen Ebene entfernt werden? Interessanter Beitrag mehr oder minder dazu von Axel Honneth: http://www.zeit.de/2011/34/L-S-Honneth/komplettansicht

Unfug, meine Freiheit ist durch die Freiheit der anderen beschränkt, aber nicht durch sie bedingt. Ich kann auch im Privaten sehr schön ganz frei sein, eigentlich sogar viel leichter, weil mir da keiner auf die Nerven geht und ich auch niemandem.

Auch im Bereich Krankendaten ist es schade für die Wissenschaft und den medizinischen Fortschritt keine zentrale Datenbank zu haben. Ähnlich ätzend sind sozialwissenschaftliche Erhebungen, die wegen Datenschutzbedenken regelmäßig unbrauchbar werden. Siehe: Our data, ourselves

Für die Wissenschaft muss ich meine Privatsphäre nun wirklich nicht aufgeben, Daten werden da regelmäßig nach Anonymisierung verwendet, und das reicht vollkommen aus (und das muss es auch, wir leben ja nicht im Totalitarismus. Und zumindest ich will da auch nicht hin, die Spackeria mag das anders sehen).

Persönlich habe ich eigentlich kaum Daten, die ich unter privacy verstecken wollen würde. Ich werde etwas schamhaft, wenn es um Sexualität geht, aber sonst gilt: Was ich nicht will, was jemand weiß, dass bleibt in meinem Kopf. Ich spreche dagegen sehr offen über meine Depressionen und Panikattacken. Ich glaube, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Privatsphäre zum Selbstzweck geworden ist und halte das für falsch.

Privatsphäre ist zum Selbstzweck geworden in dieser Gesellschaft? Ich finde eher gegenteilige Belege. Sehr plakativ dafür ist das Unterschichtenfernsehen, wo nun wirklich jedes Fürzchen extensiv ausgebreitet wird. Aber was kümmern die Verfasserin die Fakten.

Aber du willst wahrscheinlich auf eine konkrete politische/juristische Bewertung hinaus. Ich kann dir keine Antworten für die Fragen geben, welche die digitale Revolution aufwirft. Niemand kann das zur Zeit. Wie sollen wir die Zukunft bewerten, wenn wir noch die Prämissen der Vergangenheit haben? (Vorstellung von Arbeit z.B.) Und wieso sollte ich das können? Ich finde die Vorschläge, die ich bisher zur Datenschutzreform gelesen habe, u.a. in deinem Blog, sehr pragmatisch (z.B Gegendarstellungsrecht) und halte es für durchsetzbar. Dennoch ist es nur ein weiteres Feigenblatt in einem ungerechten System. Und ich will über das System reden.

Feigenblatt in einem ungerechten System, so so. Ich finde „das System“ eigentlich gar nicht so schrecklich ungerecht, aber vielleicht liegt das ja nur an meinem beschränkten Horizont (den die Verfasserin hier leider wiederholt versäumt hat zu erweitern).

So nun zur informationellen Selbstbestimmung. Du willst doch bestimmt darauf hinaus, inwiefern diese mit staatlichen Mitteln durchzusetzen sei, oder? Also natürlich ist der Kern der Republik das “Recht Rechte zu haben” (Arendt) und diese sind natürlich nur wirksam, wenn ich sie durchsetzen kann.

Hach, ein Zitat! Wir dürfen uns klug und wichtig fühlen!

Man kann gewisse Tatbestände kriminalisieren und Verstöße gegen das ungewollte Verbreiten von Daten ahnden. Finde ich auch ok. Müssen die Richter entscheiden. Ich denke, dass es schon viele Rechtsmöglichkeiten gibt. Problem: Die Menschen gehen nicht vor Gericht. Zumindest nicht die betroffenen Arbeiter, was ja meist nicht so gut betuchte sind. Klagen sollte niedrigschwelliger werden und weniger kostenintensiv.

Gerade Klagen eines Arbeitnehmers gegen seinen Arbeitgeber sind sehr niedrigschwellig in Deutschland, und wer kein Geld hat, bekommt hier relativ großzügig Prozesskostenhilfe. Aber von der Juristerei („müssen die Richter entscheiden…“) hat die Verfasserin ja auch keine Ahnung (was sie freilich nicht davon abhält dazu eine Meinung zu haben – oder sollten wir eher sagen: ein Gefühl?).

Allerdings denke ich nicht, dass Selbstbestimmung durch den Staat verordnet/hergestellt werden kann. Ja, ich glaube, dass es ein Unterrichtsfach “Kritisches Denken” geben sollte. Mehr jedoch kann der Staat kaum tun – ich bin kein Freund der Rousseau’schen Erziehung.

Uiuiui, aber sie weiß was Rousseausche Erziehung ist! Ich nicht, aber ich wette es ist scheißegal. Und natürlich kann der Staat mehr tun, tut er auch schon, nämlich im Verbraucherschutz. Und Datenschutz ist nichts anderes als Verbraucherschutz: der Schutz des in der konkreten Verhandlungssituation unterlegenen Verhandlungspartners. Denn wie sollte ich gegenüber Facebook meine Datenschutzinteressen durchsetzen, wenn ich dort einen Account eröffnen will? (und nein, einen Vertrag nicht abzuschließen verlangt der Verbraucherschutz nicht von mir, stattdessen gibt er mir indisponible Positionen, so dass mich der überlegene Vertragspartner nicht übervorteilen kann)

Und wie sollen technikferne Menschen das Netz kennenlernen, wenn Facebook angeblich die Ausgeburt des Bösen ist? Siehe dazu Antje Schrupp

Schwachsinn, ich bin gut ohne Facebook großgeworden im Internet (vielleicht sogar ein wenig größer? Man weiß es nicht). Und es geht ja auch gar nicht um Verbot, sondern um Regulierung. Am Ende darf Facebook dann von sich sagen „wir sind gar nicht böse“. Weil wir ihm die Klauen gestutzt haben.

So also fassen wir zusammen: Jeder muss die Grenzen seiner Privacy selbst definieren. Ein Gemeinwesen muss sich Grenzen geben, um seine Struktur zu schützen. Unsere Struktur basiert auf dem Ich, also muss das geschützt werden.

„Fassen wir zusammen“, das klingt so, als ob das irgendwie allgemeinverbindlich oder konsensfähig wäre, was die Verfasserin da von sich gegeben hat. Ich bin – offensichtlich – anderer Meinung. Dass „unsere Struktur auf dem Ich“ basiert, erschließt sich mir nicht, weder was unsere Struktur ist, noch warum sie auf dem Ich (wessen?) basiert.

Die selbst definierte Privacy ist jedoch kein Selbstzweck und findet ihre Grenzen in der Sittlichkeit, also der sozialen Freiheit.

Sittlichkeit = soziale Freiheit? Hä? Grenzen für die Privacy? Verstehe ich nicht.

Soweit nun also meine Antwort hierzu. Ich weiß, dass es wahrscheinlich wieder nicht aureichend sein wird und sowieso wieder alle irgendwie meckern werden. Aber: Egal.

Ja. Egal.

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7 Kommentare
  1. mell permalink

    „Soziologengeschwurbel? Nein, das wäre eine Beleidigung für jeden ernsthaften Geisteswissenschaftler.“ made my day :D

  2. kim permalink

    Erstens: Der Text von Julia Schramm ist eine einzige Katastrophe und nicht nur für Geisteswissenschaftler eine direkte Beleidigung. So, wie all ihre anderen Texte auch. Inhaltlich hat Schramm überhaupt nichts zu sagen, und das seit Monaten, seit dem Spiegel-Interview. Nur Verallgemeinerungen, ein Dahergeschreibsel, Selbstverliebtheit… Und da sind wir auch schon bei

    Zweitens: die Person. Es geht ihr keinen Funken um Politik im Allgemeinen noch um die Piratenpartei sondern nur um sich selbst. Man schaue auf ihren bescheidenen Lebenslauf: Politik studiert -> FDP -> Piraten -> PostPrivacy-/Datenschutzexpertin -> Feminismusexpertin -> Gentrizierungsexpertin… und das in wenigen Monaten! Ich sehe bei ihr kein ehrliches Interesse an Veränderungen oder Verbesserungen, keine Kritikfähigkeit, nichts ausser Selbstdarstellung.

    Sie will Journalistin/Schriftstellerin werden, sie will prominent werden. Ja, das ist keine Unterstellung, denn sie lebt ja in ihrem „Wohnzimmer Internet“, also lebt sie bereits „PostPrivacy“. Tja, und jetzt hat sie einen Namen und ist stolz drauf, weint aber sofort los, wenn man ihr mitteilt, dass sie gar nicht so schlau ist, wie sie denkt. Ich finde es traurig, dass es sogar im Netz möglich ist wie im Privatfernsehen mit ausschließlich Oberflächlichkeit und Prominenz im Mittelpunkt zu stehen. Leider kann man sie und die gesamte Spackeriafraktion auch nicht einfach ignorieren, da sie Freiheit schreien, der auf Kosten anderer geht.

    Drittens: kurz zur Spackeria generell: geht gar nicht. Leben ihre Vertreter wirklich bereits PostPrivacy? Nein, denn wie z.B. Schramm haben die doch überhaupt nichts zu verbergen. Krankheiten, Behinderungen, schreckliches Regime, das unterdrückt? Nein. Schramm z.B. ist mitte 20, ihre Eltern bezahlen ihren Lebensunterhalt und Krankenversicherung, sie hat noch nie gearbeitet, hat keine Erfahrungen mit Gewalt gemacht, nichts. Was soll sie schon zu verbergen haben? Und dann dieses neoliberale Gebrülle von Freiheit, eben auf Kosten anderer. Es hat überhaupt niemand zu definieren, was Freiheit ist. Was ich von mir preisgebe und was nicht, bestimme ich. Ich bewege mich und ich bestimme wie ich leben will und wer daran teilnimmt. Und Freiheit hat nunmal Grenzen, immernoch da wo der nächste Mensch anfängt. Ich bin nicht und werde nie Teil der Gesellschaft, in der eine privilegierte, nichtstuende, feiernde, lachende, freie Julia Schramm lebt, sein.

    Und eben Menschen, die alleinstehend und auf sich selbst gestellt sind, sind heute auf das Internet angewiesen. Ja, es ist eine grosse Hilfe und ein Plus, wenn man selbst nicht zu den Starken und Privilegierten gehört. Umso wichtiger ist, dass die Konzentration auf Technik und das Wissen von Technik liegt. Das Wissen muss weitergegeben werden, es muss die Möglichkeit geben anonym, soweit möglich, mit fremden Menschen zu kommunizieren und so zu lernen.

    Hoffentlich kriegt die Schramm endlich einen Vertrag mit einem Verlag oder was auch immer sie will und ist so prominent wie sie will. Genauso wie ihre Spackeriakollegen. Dann können wir wieder über Themen und die Realität diskutieren. Selbstherrlichkeit und Arroganz anderen Menschen gegenüber stört bei Diskussionen immer so.

    MG Kim

  3. Bezüglich Julias Texten fällt mir ein Spruch ein: „Es war nie schwierig, einfache Sachverhalte kompliziert zu beschreiben – das Gegenteil ist die Kunst“.

    Ich bin ein einfach denkender Mensch, ich habe keine Lust auf philosophische Betrachtungen. Ich möchte Lösungen für aktuelle Probleme und schere mich nicht um Visionen für Übermorgen.

    Weil ich mich um konkrete Probleme kümmern möchte, habe ich zusammen mit Crackpille das Datenethische Manifest erstellt, eine Sammlung von Handlungsanweisungen für den Umgang mit Daten.

    Der Text ist entstanden, weil wir beide gesehen hatten, dass der klassische Datenschutz nur begrenzt in der modernen Gesellschaft Anwendung finden kann, wir aber andererseits auch nicht dazu bereit waren, auf unsere Privatsphäre zu verzichten. Mit diesem Manifest stehen wir also irgendwo zwischen den „Aluhüten“ und der „Spackeria“.

  4. Eigentlich finde ich einen Gegenentwurf zum aluhutigen „klassischen“ Datenschutz sehr bereichernd und nützlich, sowas wie die Spackeria hat schon ihre Berechtigung. Leider scheinen die Spackos sich in ihrem eigenen Koordinatensystem von schwammigen Prämissen zu verheddern und zu verwirren, das aber recht sportlich voranzutreiben.

    Vielleicht ist das ein leicht unreifes Peergroup Verhalten, vielleicht ein Abwehrreflex. Wurde die Spackeria gelobt war es die Spackeria, kritisierte man die Spackeria hörte man oft „wir sind ja keine homogene Gruppe, frag doch bitte den der das gebloggt hat“. Da kommt es ja gelegen wenn man Kritik zusätzlich noch abblocken kann indem man dem Kritiker Unverständnis, Unbildung und Ignoranz gegenüber dem selbstgebastelten philosophischen Überbau vorwerfen kann.

    Schade. Datenschutz ist ein abstraktes, sperriges Thema. Was die Spackeria vorschlägt ist eigentlich relativ simpel: eine leicht fatalistisch gestimmte Utopie wie sich alles entwickeln könnte oder sollte. Da sollte man den Rudi Dutschke besser in der Tasche lassen.

  5. Julia Schramm permalink

    Sehr interessante Herangehensweise an meinen Text. Aber nur weil man etwas nicht versteht, was du ja selbst auch sagst, heißt es nicht, dass es falsch ist.

    Ich weiß nun zumindest wie du tickst – macht es mir einfacher deine Kommentare an mir abprallen zu lassen. Ich kann dir also nur danken!

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  1. Suddenly, a wild @tante appeared « ponyrage

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